ZWAR: Eine Erfolgsgeschichte der Selbstorganisation und Solidarität im Ruhrgebiet

In den späten 1970er Jahren, einer Zeit des wirtschaftlichen Umbruchs im Ruhrgebiet, entstand eine innovative Initiative, die das Leben von Menschen in der nachberuflichen Lebensphase verändern sollte. Unter der Leitung von Dr. Wolf Klehm und in Zusammenarbeit mit Rudi Eilhoff begann an der Universität Dortmund die Entwicklung des ZWAR-Konzepts.

Das ZWAR-Konzept, das für „Zwischen Arbeit und Ruhestand“ steht, wurde als Antwort auf die Herausforderungen des Strukturwandels entwickelt. Es sollte Menschen im Ruhestand die Möglichkeit geben, sich selbst zu organisieren und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Mit Unterstützung von Gewerkschaften und Betrieben wurden die ersten ZWAR-Basisgruppen ins Leben gerufen, in denen Frauen und Männer der Zielgruppe „Junge Alte“ gemeinsam agierten.

Die Basisgruppen waren von Anfang an von Selbstbestimmung und Solidarität geprägt. Sie setzten sich mit ihren eigenen Interessen, Wünschen und Perspektiven auseinander und schufen so eine Gemeinschaft, die über das berufliche Leben hinausreichte. Eine der ersten ZWAR-Basisgruppen, das ZWAR Netzwerk Hoesch II, ist bis heute aktiv und ein lebendiges Beispiel für den Erfolg des Konzepts.

Durch den frühen Erfolg erhielt das ZWAR-Projekt 1984 erstmals Förderung vom Land Nordrhein-Westfalen. Dies ermöglichte die Gründung des Trägervereins ZWAR e.V. im Jahr 1990. Der Verein agierte auf übergeordneter Ebene und unterstützte die lokalen Initiativen in NRW. Zu den Mitgliedern des Trägervereins gehörten Wohlfahrtsverbände, die Kommune Dortmund, Gewerkschaften und die Gründer von ZWAR.

Mit der Gründung der ZWAR Zentralstelle NRW im Jahr 1995 begann das Projekt landesweit tätig zu werden. Unter dem Dach des ZWAR e.V. entstanden in den folgenden Jahren in rund 80 Kommunen fast 300 ZWAR-Netzwerke. Diese Netzwerke waren das Ergebnis der selbstorganisierten Aktivitäten der Menschen vor Ort, unterstützt durch die Beratung und Expertise des ZWAR e.V.

Das ZWAR-Konzept erwies sich als äußerst wirkungsvoll. Es ermöglichte tausenden von Menschen ab 55 Jahren, sich selbstbestimmt und aktiv in ihre Gemeinschaft einzubringen. Die ZWAR-Netzwerke wurden zu Orten der Begegnung, des Austauschs und des Engagements für soziale, kulturelle und politische Belange.

Der ZWAR e.V. fungierte nicht nur als Berater für die lokalen Initiativen, sondern auch als Sprachrohr zur Politik. Er vertrat die Interessen der älteren Bevölkerung gegenüber den politischen Entscheidungsträgern und trug so dazu bei, dass ihre Anliegen gehört und berücksichtigt wurden.

Heute, vier Jahrzehnte nach der Gründung des ZWAR-Projekts, ist das Konzept weiterhin lebendig und relevant. Es zeigt, wie Selbstorganisation, Solidarität und Unterstützung von übergeordneten Strukturen zusammenwirken können, um das Leben älterer Menschen zu bereichern und ihre Stimme in der Gesellschaft zu stärken. Die Erfolgsgeschichte von ZWAR ist ein inspirierendes Beispiel dafür, wie lokale Initiativen und übergeordnete Organisationen gemeinsam eine positive Veränderung bewirken können.